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Schlagwort: Poesie

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

— Rainer Maria Rilke

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Daily Creed

Let me be a little kinder,
Let me be a little blinder
To the faults of those about me,
Let me praise a little more.

Let me be, when I am weary
Just a little bit more cheery;
Let me serve a little better
The God we would adore.

Let me be a little meeker
With the brother who is weaker;
Let me strive a little harder
To be all that I should be.

Let me be more understanding,
And a little less demanding,
Let me be the sort of friend
That you have always been to me.
— John Grey

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Geh davon aus, dass dein Herz bricht


Nach einer Weile lernst du
den subtilen Unterschied zwischen
dem Halten einer Hand und dem Anketten einer Seele,
und du lernst, dass Liebe nicht Anlehnen
und Gesellschaft nicht Sicherheit bedeutet.


Und du beginnst zu lernen,
dass Küsse keine Verträge sind
und Geschenke keine Versprechen.
Und du beginnst, deine Niederlagen zu akzeptieren,
mit erhobenem Haupt und offenen Augen.
Mit der Anmut einer Frau –
nicht dem Kummer eines Kindes.


Und du lernst,
all deine Straßen im Heute zu bauen,
denn der Boden des morgen ist
zu unsicher für Pläne
und Zukünfte neigen dazu,
mitten im Flug abzustürzen.


Nach einer Weile lernst du,
dass sogar Sonnenschein brennt, wenn du zu viel davon abbekommst.
Also pflanzt du deinen eigenen Garten
und schmückst deine eigene Seele,
anstatt darauf zu warten,
dass dir jemand Blumen bringt.


Und du lernst,
dass du wirklich etwas aushalten kannst,
dass du wirklich stark bist,
dass du wirklich wertvoll bist.

Und du lernst und du lernst…
Mit jedem Abschied lernst du.

Veronica A. Shoffstall


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Mondnacht

Es war, als hätt der Himmel 
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer 
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte 
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

— Joseph von Eichendorff

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